Der lange Weg zur gemeinsamen Wärme

Wie es zu diesem Projekt kam

Es braucht viel Elan und Engagement um ein so grosses Bauprojekt im privaten Umfeld auf die Beine zu stellen. Lukas Kohli, Hans-Ruedi Kunz, Fredi Kneubühler und Bernadette Schenkel haben die wichtigsten Schritte zusammen getragen.

2020

Weil sich ein Ersetzen der Gasheizung abzeichnet, fragt Hans-Ruedi Kunz im Dezember bei den technischen Betrieben Suhr (TBS) nach der Möglichkeit eines Anschlusses an das Fernwärmenetz an.
Die Antwort der TBS lautet: «Wir brauchen mindestens etwa 15 Parteien, die sich an der Fernwärme anschliessen müssen. Zudem müssen Sie (die Parteien) bestenfalls beieinander sein und nicht zu sehr verteilt. Sollte es genügend Interessenten haben, können wir gerne vor Ort eine Begehung durchführen.»
 

2021

Am 2. Juni findet eine erste Begehung mit zwei Vertretern der TBS, deren Wärmeplaner, Reini Schenkel, Präsident des Ausschusses und Hans-Ruedi Kunz, beide aus der unteren Siedlung, statt. Im November präsentiert die TBS mehrere Varianten, wie eine Fernwärmenetz erstellt und finanziert werden könnte.

2022

Am 25. März findet, Corona bedingt nach 2 Jahren wieder physisch, die Miteigentümer:innen-Versammlung der unteren Siedlung statt. Das Fernwärmeprojekt wird erstmals durch Reini Schenkel (Ausschuss) vorgestellt. Die Versammlung diskutiert intensiv und beschliesst mit grossem Mehr, dass eine Arbeitsgruppe (AG Fernwärme) das Projekt weiterverfolgen soll.
 
Ende April/Anfang Mai findet eine Umfrage in der unteren Siedlung statt. 44 von 47 Parteien beteiligen sich daran, 37 Parteien wollen an die Fernwärme anschliessen.
 
Am 3. Mai findet die erste Sitzung der AG Fernwärme statt. Reini Schenkel, erfahrener Architekt bei Planung und Ausführung von Grossprojekten und Präsident der unteren Siedlung, übernimmt den Vorsitz. Fredi Kneubühler plant die ganze Technik. Seinem Fachwissen, seinem Engagement, Durchhaltewillen und Enthusiasmus ist es zu verdanken, dass das Projekt auch in schwierigen Situationen weiterverfolgt und vorangetrieben wird. Unterstützt werden sie von Martin Sägesser, Hans-Ruedi Kunz und Jörg Lenzin. Ab Juli vertritt Lukas Kohli als Gast die obere Siedlung in der AG Fernwärme.
 
Ziel ist die Gründung einer «Miteigentümergemeinschaft Fernwärme» im Juni 2023, der Baustart im folgenden Winter (23/24) und die Inbetriebnahme auf Herbst 2024. Geplant sind Leitungen durch die Keller aller Liegenschaften sowie eine «Übergabestation» in der Tiefgarage der unteren Siedlung.
 
Im August stellt Fredi Kneubühler das Projekt in der oberen Siedlung vor. Acht von vierzehn Parteien würden sich an einem Fernwärmenetz beteiligen.

Diese Knackpunkte beschäftigen die AG Fernwärme:
– Die Leitungen zu den einzelnen Grundstücken verlaufen zwangsläufig über die gemeinschaftlichen Parzellen. Um dort bauen zu können, ist die Zustimmung aller Eigentümerinnen und Eigentümer der jeweiligen Siedlung erforderlich (Einstimmigkeit  rechtliche Hürden). 
Um diesen Hürden begegnen zu können, findet bereits am 18. August ein erstes Treffen mit Schärer Anwälten, Nik Brändli und Christoph Bundi, statt. Diese erklären die Notwendigkeit der Anpassung der Nutzungs- und Verwaltungsordnung NVO der unteren Siedlung für unabdingbar.
– Die Bereitschaft, sich für Fernwärme zu entscheiden, hängt natürlich von den Kosten ab. Diese hängen wiederum von der Anzahl der mitmachenden Parteien ab …
– Aus historischen Gründen gibt es Spannungen zwischen der älteren unteren und der neueren oberen Siedlung. Deshalb sollte ausser der gemeinsamen Übergabestation jede Siedlung ein eigenes Netz finanzieren und erstellen.
– Die Dienstbarkeiten und eine Nutzungs- und Verwaltungsordnung für eine neue Miteigentümergemeinschaft «Fernwärme» werden mit der Unterstützung von Schärer Anwälten entworfen und unzählige Male überarbeitet.

2023

Ende Januar übergibt Reini Schenkel krankheitshalber die Leitung der AG Fernwärme an Martin Sägesser.
 
Die Siedlung Bachstrasse 95 kontaktiert im Februar die AG Fernwärme mit dem Wunsch, sich ebenfalls an die Fernwärme anzuschliessen. Die AG Fernwärme lehnt die Bitte ab, da sie mit der Planung von zwei Siedlungen bereits (zu) stark belastet ist. Fredi Kneubühler räumt die Bedenken aus, so dass im März geprüft wird, die dritte Siedlung mit 10 Häusern in das Projekt zu integrieren.
 
Insgesamt fanden 19 Sitzungen der AG Fernwärme statt. Dazu kamen diverse zusätzliche Sitzungen mit Dritten (TBS, Schärer Rechtsanwälte Aarau, etc.). Anfang Juni musste die AG Fernwärme einsehen: Sie braucht professionelle Unterstützung. Sie informierte die Miteigentümer wie folgt: «Heute verfügen wir über ein weit fortgeschrittenes Vorprojekt. Es wurde aber klar, dass wir für die Zusagen der Miteigentümerinnen und Miteigentümer ein detaillierteres Ausführungsprojekt benötigen. Dazu müssen wir die Organisationsform ändern. Wir brauchen finanzielle Mittel, um eine professionelle Detailplanung auslösen zu können.»
 
Am 16. Juni wird die «Interessengruppe Planung Fernwärme» (IG Planung Fernwärme) gegründet. Als Termin für den Anschluss wird der Beginn der Heizperiode 2025 ins Auge gefasst. An den Sitzungen sind nun alle drei Siedlungen vertreten. Anstelle des zurückgetretenen Jörg Lenzin kommt neu Bernadette Schenkel von der unteren Siedlung in die Arbeitsgruppe. Für die obere Siedlung nehmen Lukas Kohli und Valentin Wetter teil, für die Siedlung Bachstrasse 95 sind es Jürg Hertig und Martin Graf. Die Rechnungsführung übernimmt Jacqueline Liloia, obere Siedlung. Eine Mehrheit der Interessierten leistet eine freiwillige Vorschuss-Zahlung für die aufgelaufenen Ausgaben und eine professionelle Planung. Das Ingenieurbüro Wilhelm + Wahlen berät die IG bei den nächsten Schritten.
 
Im November / Dezember werden Offerten der verschiedenen Planer (Gesamtleitung, Tiefbau, Heizung, Elektro) eingeholt und die Aufträge an folgende Ingenieurbüros vergeben:
Gesamtleitung und Tiefbau: Suisseplan Ingenieure AG, Aarau
Heizung, Haustechnik: Thermoplan Suhr GmbH, Suhr
Elektro: Bhend Elektroplan GmbH, Suhr

2024

Am 31. Mai hält die IG Planung Fernwärme, zusammen mit dem Gesamtplaner Suisseplan eine weitere Informationsveranstaltung ab. Eine aktuelle Kostenschätzung und die vorgesehene Leitungsführung werden vorgestellt und Fragen aus dem Plenum beantwortet.
 
Anfang Juni wird den acht anschlusswilligen Parteien der oberen Siedlung klar, wie stark die Kosten steigen würden, wenn sich eine oder mehrere Parteien aus dem Projekt zurückzögen. In einer Online-Umfrage wird ermittelt, wer 1.) nicht mitmachen will, 2.) mitmachen würde, wenn alle anderen mitmachen oder 3.) auch bereit wäre, mehr zu bezahlen. Es stellt sich heraus, dass nur noch vier Parteien an das Fernwärmenetz angeschlossen werden wollen. Diese fragen dann bei der Siedlung Bachstrasse 95 an, ob sie an dieses Arealnetz angeschlossen werden könnten. Glücklicherweise ist dies ohne Probleme möglich.
 
Aufgeschreckt durch diese unerfreuliche Entwicklung beschliesst die IG Planung in der Folge, die drei getrennten Netze nach dem Prinzip «ein Netz – ein Preis» zusammenzulegen und die Leitungen nicht durch Liegenschaften zu führen, die nicht mit Fernwärme geheizt werden sollen.
 
Insgesamt fanden 13 Sitzungen der IG Planung statt. Dazu kamen diverse zusätzliche Sitzungen mit Dritten (TBS, Schärer Rechtsanwälte Aarau, Suisseplan, etc.). Mehrmals scheint das Projekt zum Scheitern verurteilt. Von den Mitgliedern der IG Planung braucht es grosses Engagement und viel Enthusiasmus und Zeit, um das Projekt dennoch immer weiter voranzutreiben.
 
Am 21. Juni findet die Gründungsversammlung der «Miteigentümergemeinschaft Fernwärme Neue Aarauerstrasse / Bachstrasse Suhr» statt.
Die vorliegende Nutzungs- und Verwaltungsordnung wird praktisch einstimmig angenommen. Die Arbeitsgruppe «IG Planung Fernwärme» wird, wie in der NVO vorgesehen, durch eine Ausführungskommission ersetzt. Diese wird die Bauherrschaft in der Planungs- und Ausführungsphase des Fernwärmeprojektes vertreten.
 
Gewählt werden: 
Für die untere Siedlung: Bernadette Schenkel und Fredi Kneubühler
Für die obere Siedlung: Jacqueline Liloia und Lukas Kohli
Für die Siedlung Bachstrasse 95: Martin Graf und Jürg Hertig

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